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Jedes Kinderzimmer ist eine Gegenwelt

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Jedes Kinderzimmer ist eine Gegenwelt

 

Ateliergespräch mit dem Berliner Maler Robert Weber
vom 2. Februar 2008 in der "DIE WELT"
von Veit Stiller

 

Auf den Boden liegt ein mit Leinwand bespannter Keilrahmen, im Zentrum ist etwas Farbe aufgetragen, daneben eine Lache in der Farbe verfließt. Ringsum Eimer mit Farben, Wasser und Lösungsmitteln. An den Wänden hängen Bilder: Eine große vergoldete Fläche mit weißen Farbverläufen und blutig roten Flecken, Worte dazu: per semper se ti rivedo; über den großen Fenstern kleine Madonnen-Bildnisse, an anderer Stelle weiße Flächen mit roten Farbspuren - Atelier und Bilder von Robert Weber.
Wie findet er seine Motive und wie kam er zur Kunst? "Da ist eine unbestimmte Sehnsucht, die irgendwann auftaucht. Und wenn man konservativ ist, bleibt man bei der Malerei. Im Osten war das auch eine Art Abgrenzung und Fluchtpunkt." Weber wurde 1964 in Jena geboren. "Mit zwanzig Jahren ging ich nach Westberlin, studierte an der HdK bei Walter Stöhrer. Abbildungen seiner Werke kannte ich im Osten schon und fand ihn spannend. Wir teilten die Nähe zur Literatur eines Artaud, Bataille oder Breton." Weber hatte im Osten eine gute Schule im Abseits der vorherrschenden Kunstauffassung und setzte sich damals schon intensiv mit Literatur- und Kunstgeschichte auseinander.
Und wie kam er zu den Madonnen und Heiligen? "Ein biographisch-christlicher Hintergrund ist da nicht." Aber Madonnen und Heilige sind ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Wieso? "Wenn ich das wüsste! Eine Sehnsucht nach einer erweiterten Realität war schon sehr früh da. Gegen Ende des Studiums habe ich ungegenständliche metaphysisch Farbräume gemalt und irgendwann festgestellt, dass meine Bildperspektive der sogenannten "umgekehrten Perspektive" in der Ikonenmalerei entspricht. Ich habe mich daraufhin länger mit Ikonen und den Theorien eines Pavel Florenski auseinandergesetzt."
Pavel Florenski, der "Leonardo da Vinci des Ostens", gilt als der letzte Universalgelehrte. Er war orthodoxer Priester, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker, Sprachwissenschaftler, Philosoph und Schriftsteller. Er gilt, 1937 im Gulag erschossen, als Märtyrer. Florenski widerspricht der seit der Renaissance vorherrschenden Doktrin der Zentralperspektive, die den Betrachter zum passiven Zuschauer und den äußeren, zufälligen Schein zum Gegenstand macht. Dem stellt er den Bildraum der mittelalterlichen Ikonenmalerei gegenüber, welche die illusionistische Darstellung keineswegs aus Naivität verschmäht, sondern in einem platonischen Sinn Wert auf das Wesenhafte legt. Der Exkurs war nötig, Robert Weber auf die Schliche zu kommen.
Ist der Ansatz seiner Arbeit nun mehr malerisch oder mehr philosophisch? "Eindeutig malerisch, ein Bild ist ein Ergebnis von Aktion und Reaktion, Konzentration auf den Moment, der Prozess verselbstständigt sich durch eine eigene Logik, aber über Malerei kann man nicht sprechen. Ich suche Themen, welche die Leinwand in eine Projektionsfläche verwandeln, wechsle zwischen abstrakt und gegenständlich. Oft ist das ein Zwiegespräch, mit einem Text, einem Gedicht, oder was auch immer: einem Gegenüber, das geeignet ist die Grenzen der lokalen Wahrheiten einer Gelegenheitswelt zu überschreiten. Dann ist die Fläche nicht mehr weiß. Heilige eignen sich sehr gut für ein solches Gespräch: 'Die Heiligen wissen nicht, was hinieden bedeutet. Sie haben keinen Begriff von Raum. Deshalb versetzen sie sich und uns so leicht in andere Welten', wie es bei Emile Cioran heißt."
Immer noch Gegenwelten zur DDR? "Jedes Kind baut sich seine eigene Welt! Jedes Kinderzimmer ist eine Gegenwelt." Sind die roten Flecken auf der weißen Leinwand Wundmale? "Nein. Entblätterte Rosen. Aber jeder deutet sich selbst. Als ich ein durch rote Farbklänge bestimmtes Apsisfenster für eine Kirche in Brandenburg umgesetzt hatte, befürchtete ein Teil der Gemeinde eine Identifizierung mit kommunistischer Symbolik."
Ist Kunst nicht auch Kommunikation? "Natürlich. Ein Bild lebt durch Zwiesprache. Solange das Bild im Atelier ist, gehört es mir, danach dem Betrachter. Kommunikation heißt: sich öffnen, vorgefasste Standpunkte aufgeben, sich selbst verlassen, sich einlassen, sich empfänglich machen. Das Gleiche erwarte ich vom Betrachter. Wenn ein Bild fertig ist beginnt die Arbeit für den Betrachter."
Auf die Frage, ob seine Bilder daher so kontemplativ seien meint der Künstler: "Vielleicht. Sie sind eine Aufforderung, sich lange damit auseinander zu setzen. Ein Bild, das sich nicht immer wieder neu offenbart, ist für mich kein gutes Bild.
Robert Weber wird vertreten von der Galerie Schrade, Schloss Mochental und Karlsruhe.

 

Im Internet:
www.galerie-schrade.de

www.welt.de

 

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